Zertifikate für Sea Survival und Medizin auf See

Offshore Special Regulations verständlich erklärt

Die Offshore Special Regulations, kurz OSR, sind das Sicherheitsregelwerk von World Sailing, dem Weltverband des Segelsports. Sie legen fest, welche Ausrüstung an Bord gehört und welche Nachweise die Crew braucht.

Stand und Grundlage

OSR 2026-2027
Seite geprüft im September 2026

Die OSR gelten für Boote auf Offshore-Regatten. Grundlage dieser Seite ist die Ausgabe 2026-2027, in Kraft seit dem 1. Januar 2026. Version 2 gilt ab dem 1. Januar 2027. Für die Anerkennung in Deutschland ist der Deutsche Segler-Verband zuständig. Verbindlich ist im Einzelfall immer die Ausschreibung der jeweiligen Regatta.

Häufig gestellte Fragen

Was Segler uns dazu am häufigsten fragen.

Regelwerk und Ausbildung

Ein Sicherheitsregelwerk für Regatten auf See. Es legt fest, welche Ausrüstung an Bord sein muss, wie das Boot gebaut sein soll und welche Ausbildung die Crew mitbringt. Herausgegeben wird es von World Sailing, dem Weltverband des Segelsports, überarbeitet alle zwei Jahre.

World Sailing, unter Lizenz des Offshore Racing Congress. Zuständig ist ein eigener Unterausschuss, der seit 1967 besteht. Wo es passt, übernehmen die OSR Standards der Berufsschifffahrt, etwa den LSA-Code der IMO für Rettungs- und Signalmittel.

Aus der Ausschreibung. Der Veranstalter stuft jede Wettfahrt in eine der Kategorien 0 bis 4 ein, daraus ergeben sich Ausrüstung und Nachweise. Abweichungen darf er festlegen, deshalb entscheidet im Zweifel immer die Ausschreibung.

Sie beschreiben, wie weit eine Wettfahrt vom Land wegführt und wie lange ein Boot ohne fremde Hilfe auskommen muss.

Kategorie 0: transozeanisch, auch durch Gebiete, in denen Luft- oder Wassertemperatur dauerhaft unter 5 °C liegen. Vollständige Selbstständigkeit über sehr lange Zeiträume.

Kategorie 1: lange Distanzen, weit draußen. Vollständige Selbstständigkeit über längere Zeiträume, ohne Aussicht auf Hilfe von außen.

Kategorie 2: längere Wettfahrten entlang der Küste oder in großen, ungeschützten Buchten. Hohes Maß an Selbstständigkeit.

Kategorie 3: über offenes Wasser, überwiegend geschützt oder küstennah.

Kategorie 4: kurze Wettfahrten dicht unter Land, in vergleichsweise warmem oder geschütztem Wasser, meist bei Tageslicht.

Für Regatten dicht unter Land und für Jollen gelten zwei eigene Anhänge des Regelwerks.

Anhang G beschreibt den Aufbau: 2 Tage zu je 8 Stunden, mit Übungen im Wasser und im Freien und einer Prüfung am Ende.

Bei Sailpartner dauert das Sea-Survival-Training 2,5 Tage. Theorie und Praxis sind über die gesamte Zeit verzahnt, und die zusätzliche Zeit bleibt für Fragen und für die Themen, die die Teilnehmer selbst mitbringen.

Die Themen sind in Regel 6.02 einzeln festgelegt:

  • Hilfeleistung für andere Fahrzeuge
  • Persönliche Sicherheitsausrüstung, Theorie und Praxis
  • Pflege und Wartung der Sicherheitsausrüstung
  • Brandschutz und Brandbekämpfung, Theorie und Praxis
  • Mann-über-Bord, Vermeidung und Bergung
  • Gesundheit der Crew, Unterkühlung, Kälteschock und Ertrinken
  • Wetterkunde
  • Schwerwetter
  • Sturmbesegelung
  • Leckabwehr
  • Organisation von Seenotrettung
  • Signalmittel und Pyrotechnik, Theorie und Praxis
  • Notfallkommunikation, Theorie und Praxis
  • Rettungsinsel und Schiffsaufgabe, Theorie und Praxis

Verbindlich ist, dass der Nachweis aus einem anerkannten Kurs stammt. Den Lehrplan dazu beschreibt Anhang H: mindestens ein voller Tag, mit einer Prüfung am Ende.Wie viel davon praktisch geübt wird, bleibt jedem Anbieter überlassen

Der Lehrplan ist in 9 Abschnitte gegliedert:

  • Medizinisches Umfeld an Bord
  • Bordapotheke je nach Kategorie
  • Telemedizinische Beratung und Funkverbindung
  • Grundlagen der Ersten Hilfe
  • Typische Unfälle an Bord, von Wunden, Verbrennungen und Verrenkungen bis zur Hubschrauberbergung
  • Maßnahmen an Bord: Schmerzbehandlung, Ruhigstellen, Infektionen vermeiden, Nähen
  • Seetypische Krankheitsbilder wie Seekrankheit, Unterkühlung und Dehydrierung
  • Wiederbelebung
  • Notfallmanagement: wann Hilfe gerufen und wann die Regatta aufgegeben wird
  • Psychologie in Ausnahmesituationen

Weil der Stoff in einem Tag zwar vorgetragen, aber nicht geübt werden kann. Wiederbelebung, das Versorgen einer Platzwunde, der Funkkontakt zum medizinischen Beratungsdienst: Diese Abläufe sitzen erst, wenn man sie einmal selbst gemacht hat.

Deshalb dauert das Medizin-auf-See-Training bei Sailpartner 2 Tage. Unterrichtet wird gemeinsam mit Ärzten, und die zusätzliche Zeit geht in die praktischen Übungen und in die Fragen der Teilnehmer.

World Sailing führt auf seiner Website die Liste der anerkannten Kurse, sortiert nach Ländern. Anerkannt werden sie von den nationalen Verbänden, für Deutschland vom Deutschen Segler-Verband. Eine eigene Übersicht der anerkannten Anbieter führt er nicht.

Für Medizin auf See sind dort 2 deutsche Anbieter mit Namen eingetragen. Sailpartner ist einer davon.

Zertifikat und Gültigkeit

5 Jahre, für Sea Survival wie für Medizin auf See. Maßgeblich ist der Start der Wettfahrt, nicht der Meldeschluss: Das Training darf zu diesem Zeitpunkt nicht länger als 5 Jahre zurückliegen.

Das hängt von der Kategorie ab (Regel 6.01):
Kategorie 0: alle an Bord, einschließlich des Verantwortlichen.
Kategorie 1 und 2: mindestens 30 Prozent der Crew, nie weniger als 2 Personen, darunter der Verantwortliche.
Kategorie 3: nur bei Zweihandbesatzung, dann 1 Person.
Kategorie 4: keine Vorgabe.

Für den medizinischen Nachweis gelten eigene Zahlen.

Ja. In Kategorie 0 braucht ohnehin die gesamte Crew das Training. In Kategorie 1 und 2 ist der Skipper eine der mindestens 2 Personen, die es haben müssen.

Ein Refresher-Kurs erneuert es, wenn er innerhalb von 2 Jahren nach Ablauf absolviert wird (Regel 6.01.5). Nach bestandener Prüfung gilt das neue Zertifikat wieder 5 Jahre. Liegt der Ablauf länger als 2 Jahre zurück, ist der vollständige Kurs erneut zu belegen.

Das hängt von der Kategorie ab, die der Veranstalter für die Wettfahrt festlegt.
Anders als beim Sea-Survival-Training nennt das Regelwerk hier feste Personenzahlen, keine Prozentangabe (Regel 6.05):

Kategorie 0: 1 Person mit gültigem Zertifikat nach STCW A-VI/4-2 (Proficiency in Medical Care) oder gleichwertig, dazu 1 weitere mit einem anerkannten Medizin-auf-See-Zertifikat aus den letzten 5 Jahren.
Kategorie 1: 2 Personen mit einem anerkannten Medizin-auf-See-Zertifikat aus den letzten 5 Jahren.
Kategorie 2: 1 Person mit einem anerkannten Medizin-auf-See-Zertifikat aus den letzten 5 Jahren, dazu 1 weitere, die mit den Verfahren vertraut ist.
Kategorie 3 und 4: 2 Personen, die mit den Verfahren vertraut sind. Ein Zertifikat ist nicht verlangt.

Ein Zertifikat, das nicht älter als 5 Jahre ist und auf einem von 2 Wegen erworben wurde (Regel 6.05): entweder in einem Kurs, der auf der Liste anerkannter Kurse bei World Sailing geführt wird, oder in einer Ausbildung nach STCW A-VI/1-3 (Elementary First Aid) oder auf höherem STCW-Niveau.
Ein Erste-Hilfe-Kurs für den Führerschein oder aus dem Betrieb steht dort nicht.

Hier sieht das Regelwerk keinen Refresher vor. Der Medizin auf See Kurs ist erneut zu belegen.

In den Kategorien 2 bis 4 verlangt das Regelwerk von einem Teil der Crew kein Zertifikat, sondern Vertrautheit mit Erster Hilfe, Unterkühlung, Ertrinken, Wiederbelebung und den Kommunikationsmitteln an Bord. Wie diese Vertrautheit erreicht wird, legt das Regelwerk nicht fest.

Im Training Medizin auf See werden genau diese Verfahren geübt, an 2 Tagen und mit ärztlicher Begleitung.